Licht-Bild-Installation
Das grüne Leuchten der Deckenlampen in der großen Lagerhalle faszinierte mich von Anfang an. „Das ist, damit die Kartoffeln in den Kisten nicht grün werden“, erklärte mir Ingo Dittmer, der Landwirt und Besitzer dieser 600qm großen Lagerhalle. Mir wurde klar, dass ich unbedingt etwas mit dieser Farbe und ihrem Leuchten, welches mich an Chlorophyll erinnerte, erschaffen wollte und ich tauchte ein in die Ursprungsgeschichte der Pflanzen bis auf den Meeresgrund. Ich fand dort die wilde und stille Schönheit der Algenwelt.
Die Algen sind die Vorfahren aller moderner Landpflanzen. Sie sind auch Nahrungsmittel, wichtiger Kohlenstoffspeicher und können sogar Energie liefern. Ein über 32 Millionen Jahre altes komplexes Ökosystem, mit einer immensen Artenvielfalt ist der Seetangwald. Ein submariner Regenwald, fortwährend atmend; jedes Wesen ein Bindeglied des Seins. Und er ist heute stark gefährdet.
Diese Entdeckung war für mich wie ein Erwecken, ein Erinnern daran, dass alles Leben natürlicherweise aus dem Meer kommt und wir als menschliche Verwandte dieser Urwälder ebenso Teil des Seins sind.
Ich wählte den Riesenseetang, mit seinen krallenartigen Haftorganen, biegsamen Stängeln und seinen blattähnlichen Wedeln, die in bis zu 50m Höhe schaukeln als Stellvertreter für die Urform aller Pflanzen und ich begann seine Erscheinung zeichnerisch zu erforschen. Der Ur-Lebensstoff der Pflanzen, Basismittel ihrer Photosynthese, sollte aus ihm heraus leuchten. Nur: Chlorophyll-Grün kann man nicht malen!
Um dieses Phänomen und das gigantische Wesen des Tangs besser zu erfassen, konzentrierte ich mich auf sein Umfeld und malte diese Algenart mit schwarzer Tusche als Negativform auf eine lange Transparentpapierbahn. Die so ausgebildete Positivform wirkt wie ein transparentes lichtdurchlässiges Gefäß. In Verbindung mit der hinterrücks grünen Beleuchtung ist so die Lichtbildinstallation „Tangwald“ entstanden.
Die aufeinander getürmten Kartoffellagerkisten tragen dieses Lichtbild und in ihnen liegen die “Keimlinge“, knollenartige Objekte, die ich so formte, dass sie im selben Grünton wir der Tang leuchten können. Sie präsentieren den Urkeim des Lebens, der für zyklisches Wachstum steht und für die immerwährende lebenserhaltende Energie der Photosynthese. Grün als lebensspendende Kraft und Hoffnung.
Lichtbildinstallation „ Tangwald“, 2023, Malerei, Chinatusche auf Transparentpapier, grün beleuchtet, 4,40m x 2,50m, angebracht an Kartoffellagerkisten.
Tangwald
Im eigenen Element sein
Algen, Vorfahren aller moderner Landpflanzen,
ursprünglich, verwandt, formend,
Tangwälder, submarine Regenwälder,
zirkulierend, atmend, zyklisch,
Urwälder in ihrem salzigen Element,
wiegend, pendelnd, tanzend,
Heimat für eine immense Artenvielfalt
schützend, bewahrend, spendend,
Leben in unendlicher Balance mit den Gezeiten,
im Atemrhythmus,
gebend und nehmend, hingebungsvoll,
Haftorgane am Steingrund,
haltend, fest verankert, bindend,
Kronenarme im Licht,
empfangend, speichernd, umwandelnd,
Lebensenergie spendend,
Nahrung gebend für Tier und Mensch,
stärkend, nährend, heilend,
Grüne Energie,
aufkeimend, leuchtend, verehrungswürdig.
Text: Daniela Köster, 2023




